Die Jahre zwischen den Weltkriegen

 

Mannschaftsfoto der FF Schiffbek im Jahr 1923

In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg trafen sich die benachbarten Wehren Schiffbek, Öjendorf und Kirchsteinbek mit den Kameraden der Werkfeuerwehr von der Jutefabrik um Erfahrungen auszutauschen und die überörtliche Löschhilfe zu verstärken.

Am Weihnachtsfest am Heiligabend 1923 konnten die Feuerwehrleute aus Schiffbek nicht bei ihren Familien sein. Bereits morgens um 08:00 Uhr wurde die Wehr zu einem Brand seines Strohdachhauses nach Öjendorf gerufen. Da Öjendorf, anders als Schiffbek, noch kein Hydrantennetz hatte, mußte das Wasser aus dem Schleemer Bach gefördert werden. Das Hauptgebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, die Nebengebäude konnten aber gerettet werden.

Im Mai 1925 kam es zu einem Großfeuer beim Schweinezüchter Beese in der Horner Straße. Große Teile des Betriebes waren aus Holz erbaut. Dem schnellen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Schiffbek war es zu verdanken, die bereits nach 20 Minuten mit ihrer, per Hand gezogenen, Hydrantenkarre vor Ort waren, daß die anliegende Seilmacherei gerettet werden konnte. Große Teile des Betriebes sowie der Zuchttiere fielen dennoch den Flammen zum Opfer.

Jahr 1925 - Feuerwehrunterführer Wagner vor der Magirusleiter

Anfang Sommer 1925 mußten die Kameraden ihr Spritzenhaus am Geesthang für einige Zeit räumen, da dieses umgebaut werden mußte. Für die Übergangszeit war die Wehr in den Räumen der Margarinefabrik Bremer und Wagner, an der heutigen Billstedter Hauptstraße untergebracht. Am 04. November 1925 wurden die dringenden Umbaumaßnahmen am Spritzenhaus fertiggestellt. Somit passte ab sofort die neue fahrbare Magirus Leiter in die Fahrzeughalle. Die neue Magirusleiter hatte eine Höhe von 22m und mußte von 2 kräftigen Pferden gezogen werden.

Im Dezember 1925 bricht in der Schellackabteilung in der Fabrik Dr. Ullner um Mitternacht ein Großfeuer aus. Da die Wehr wieder schnell an der einsatzstelle ist, kann bereits um 05:00 Uhr melden: "Feuer unter Kontrolle".

1926 - Die Wehr mit der neuen Magirusleiter und der Pferdespritze vor dem umgebauten Spritzenhaus

Im Jahr 1927 wurde eine Musikkapelle gegründet. Die Gelder für die Instrumente wurden durch die Eigeninistiative der Wehr eingeworben. Erster Kapellmeister wurde der alte Militärmusiker Carl Hebermann, der auch die Musikausbildung der Kameraden übernahm.

Nach kurzer Zeit übernahm Hans Ludwig, Sohn von Hauptmann Emil Ludwig, die Führung der Kapelle. Die Musikkapelle erfreute sich großer Beliebtheit im Umkreis und glänzte besonders durch ihre eigenen Arrangements und Kompositionen. Allerdings fand die Musikkapelle dann ein abruptes Ende zu Beginn des 2. Weltkrieges.

Die Musikkapelle im Jahr 1928

Hans Ludwig

Im Jahr 1929 weist die Einsatzstatistik der Wehr 2 Feuer, 6 Übungen, ein Großfeuer und 6 Versammlungen aus. Nach wie vor traf sich die Wehr zu ihren Versammlungen im Gasthaus Vocke. In der Sitzung vom 16. April 1930, an der auch der Amtsvorsteher Heinrich Klink teilnahm, wurde Emil Ludwig als Oberbrandmeister über 3 Wehren, die Vorstufe des heutigen Bereichsführers, ernannt. Kurz darauf wurde die von Oberbrandmeister Ludwig bekannt gegeben, dass die Bezeichnung „Hauptmann“ zukünftig durch den "Brandmeister" ersetzt wird. Nach dieser Beförderung dauerte es noch bis zum 16. Januar 1932 bis ein neuer erster Zugführer für die FF Schiffbek ernannt wurde. Es wurde Adolf Holst, als Vertreter Albert Wielancyk, ernannt. Am 14. Januar 1933 wurde Adolf Holst zum Brandmeister ernannt, der bereits im April 1934 zum Nachfolger von E. Ludwig in das Amt des Oberbrandmeisters befördert wurde.

Einsatz im Jahr 1934 in Höhe der heutigen Reclamstraße

Auch ging die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten an der FF Schiffbek nicht ohne Spuren vorbei. So wurden beispielsweise im Jahr 1934 mehrere Kameraden von der Gemeinde Billstedt ohne Dank und Anerkennung entlassen, da sie sich weigerten der NSDAP beizutreten.

Damals gehörten Schiffbek, Öjendorf und Kirchsteinbek noch nicht zur Stadt Hamburg oder Bergedorf, sondern zu dem, zu Schleswig-Holstein gehörenden, Kreis Stormarn. In einer Sitzung zwischen den benachbarten Wehren im April 1921 ergab sich, das man pro Wehr zwei Telefonisten einstellte, welche die anderen Wehren bei einer Feuermeldung alarmieren sollten. Hiermit sollte die mittlerweile sehr teure, kostenpflichtige Löschhilfe der Berufsfeuerwehr aus Hamburg verhindert werden.

Um die Schnelligkeit der Feuerwehr noch mehr zu verbessern, entschloss man sich 1923 vor den Wohnhäusern der Hornisten Feuermeldeschilder aufzustellen. Dadurch konnte der Bürger Feuer noch schneller melden, da die Wohnorte der Hornisten besser zu erkennen waren.

Im Jahr 1937 betrug die Personalstärke 61 Mann, welche 5 Einsätze bewältigten:

-Mühlenbrand in Billstedt bei Ad. Neubauer

-Brennende Juteballen im Lagerraum bei der Vereinigten Jute in Billstedt

-Brennendes Auto in der Garage bei H. Meier in Billstedt

-Brennendes Holz in einem Holzschuppen

-Brennender Vergaser an einem Personenauto

Leider kam es 1937 immer wieder zu Eingriffen in das Personal durch die Gemeinde. So wurde zum Beispiel ein Kamerad vom Dienst suspendiert, weil er dem nationalsozialistischem Empfinden nach "politisch nicht einwandfrei war".

Einer der größten Einschnitte in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Schiffbek geschah am 01. April 1938 mit dem „Großhamburg Gesetz“. Durch dieses Gesetz wurde das Hamburger Stadtgebiet auf Teile des Kreises Stormarn ausgeweitet. Das bedeutete, das die Gemeinde Billstedt, mit den Dörfern Schiffbek, Öjendorf und Kirchsteinbek, der Stadt Hamburg zugeordnet wurde.

Bereits 1938 mußte der Kommandeur aus Altersgründen die Leitung der wehr abgeben. Als Nachfolger wurde J. Bahr zur Ernennung vorgeschlagen, weswegen es allerdings erhebliche Difefrenzen mit der Gemeinde gab. So wurde im Sommer 1938 M. Beick kommissarisch zum Wehrführer ernannt.

Der Dorfname „Schiffbek“ wurde aufgegeben und aus Schiffbek wurde Billstedt. Ab diesem Tag wurde aus der Freiwillige Feuerwehr Schiffbek dann die Freiwillige Feuerwehr Billstedt.

Spritzenhaus der FF Billstedt am Geesthang nach der Umbenennung der Wehr im Jahr 1938 durch das "Großhamburg-Gesetz"

Aus den Jahren von 1937 bis zum Kriegsende gibt es leider nur sehr wenige Unterlagen, weswegen für diese Jahre die Chronik nur sehr Lückenhaft fortgesetzt werden kann.

Zur Jahreswende 1938/1939 bekam die Wehr eine neue Motorspritze zugewiesen, die nach gründlicher Einweisung im Mai 1939 in den Dienst gestellt wurde. Dieses moderne Fahrzeug trägt die offizielle Bezeichnung Löschgruppenfahrzeug LF 8 / VTS 15.

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